REIFENEMPFEHLUNGEN 

Generelles zu den REIFENGRÖSSEN:

Die 916 wie auch die 996/998 wurden/werden serienmäßig mit dem hinteren Format 190/50/17 auf Felgen 5.5 x 17 Zoll ausgeliefert (keine glückliche Entscheidung), vorne befinden sich ab Werk Reifen der Größen 120/70/17 auf Felgen 3.50 x 17 Zoll (bei 748: 120/60/17). Der wahre Grund, die 190er zu verbauen lag auch wohl eher im Prestige, denn die 180er - Größe wird der Leistung des Motorrades beim Beschleunigen in Schräglage hinsichtlich der Reifenhaftung mehr als gerecht (die Strada hatte immerhin "nur" 109 PS). Bei der 748 hat Ducati es meines Erachtens richtig gemacht mit der Größe, nämlich hinten 180/55/17 zu montieren, was jedem, der mehr Handling bei der geliebten Duc wünscht, als erste von vielen - aufwendigeren - Maßnahmen zu empfehlen ist. Zwar bringt die Umrüstung bei einigen Reifensorten eine etwas unruhigere Geradeausfahrt und Einbußen bei der Stabilität in sehr schnellen Kurven. Trotzdem wirkt sich der Umbau im Ergebnis eher positiv aus, denn danach gehorcht die sture Diva den Lenkbefehlen zumindest etwas mehr. Bei den Pilot Sport und Race ist das Stabilitätsproblem eigentlich nicht mehr gegeben.

TIPPS zu einzelnen Fabrikaten aus eigener "Er-Fahrung":

Pilot Sport:

Sehr guter Allroundreifen, sehr langlebig mit ausreichend Grip für den Alltag. Sehr gute Nasseigenschaften. Neben seinen Allroundqualitäten im Straßenbetrieb ist der Pilot Sport ein Geheimtipp für Regenfahrer. Er hat echte "Intermediate"-Qualitäten, bedingt durch den hohen Silica-Anteil. Es ist schon erstaunlich, wie viel Grip ein normaler Sportreifen bei Nässe entwickeln kann. Beim Beschleunigen aus Kurven wie auch beim Bremsen hat der Reifen Reserven, die einfach verblüffen.

Nachteile: Der "Sport" zeigt beim Bremsen in Schräglage ein SEHR deutliches Aufstellmoment, was einen bei den ersten Bremsungen in Schräglage doch sehr überrascht und verunsichert. Also lieber rund in die Kurve rein, im Zweifel die Duc mehr in die Kurve drücken als noch mehr zu bremsen. Sonst treibt's einen durch ein Gewaltbremsmanöver in den Graben.

PS empfiehlt für den Pilot Sport auf der Rennstrecke mindestens vorne 2,5 und hinten 2,3 bar.

Pilot Race 2:

Schon der Pilot Race 1 sorgte aufgrund seines enormen Grips - so er erst einmal warm gefahren war - für großes Aufsehen. Die Zeiten, wo man für den Rennstreckeneinsatz neidvoll auf die Kollegen mit den Slicks blickte, waren vorbei. Der Pilot Race hatte annähernd die Hafteigenschaften eines Slicks und das ganze mit einer Straßenzulassung! Man konnte förmlich "auf den Ohren fahren". Allerdings war sein Grenzbereich sehr schmal. Der "Race" hatte zwar eine Straßenzulassung, diese aber eigentlich unverdient. Denn er musste auf jeden Fall erst gehörig warm gefahren werden, bevor er ansatzweise Grip bietet. Nicht wenige Fahrer haben Ihre Duc BEI TROCKENER Straße hingeschmissen, weil sie mit dem noch kalten Pilot Race zu viel Gas - z.B. beim Anfahren - gegeben haben.

Den Nachfolger "Pilot Race 2" gibt es in der Standard-Mischung (H) und als Soft-Version (Qualifyer oder für die, die GARANTIERT nicht rutschen wollen und/oder das Geld für einen noch früheren Reifenwechsel haben).

Meine Erfahrungen (März 2004 in Val de Vienne, Frankreich) sind im großen und ganzen gut. Die Kaltgripeigenschaften sind nach wie vor bescheiden. Auch der Race 2 muss vorher mit Reifenwärmern auf Temperatur gebracht oder ordentlich warm gefahren werden. Der Grip bei warmen Reifen hat sich nochmals verbessert, die Aufstellneigung ist geringer als beim Vorgänger, allerdings leidet der Race bei zu weichem Fahrwerk immer noch schnell an den Flanken und zeigt dort einen ungleichmäßigen Abrieb. Vom Verschleiß her ist er nicht wesentlich sparsamer als der Race 1. Nach längeren Turns neigt er beim Herausbeschleunigen zum Schmieren, bleibt aber in der Regel kontrollierbar. Nicht wesentlich verbessert hat  sich die Aufstellneigung beim Bremsen. Allerdings lenkt der Reifen neutral ein und macht die Duc sehr handlich. Insgesamt ein immer noch sehr guter Reifen für die Rennstrecke und auch für die Landstrasse, wenn man sich Zeit nimmt für's warm fahren.

Für die Rennstrecke sollte beim Pilot Race der Luftdruck vorne auf 2,1 und hinten auf 1,9 bar abgesenkt werden.   

Pirelli Supercorsa:

Für mich nach wie vor der beste Reifen, den ich bisher auf der 916 hatte. In Sachen Einlenkverhalten / Handlichkeit / Grip / Verschleiß auf unerreicht hohem Niveau. Subjektiv besser als der Pilot Race. Vor allem ist so gut wie kein Aufstellmoment beim Bremsen vorhanden und die Duc wird nochmals um einiges handlicher. Der Meinung war wohl auch Jürgen van der Goorbergh auf einer Yamaha R6, denn er griff vor dem Lauf zur Supersport WM 2004 in Valencia zum käuflichen Pirelli Supercorsa 1 bzw. 2 und gewann das Rennen!

Kleine Ergänzung: Den SC 1 sollte man sich hinten nur aufziehen, wenn ein Qualifying ansteht oder man die Renntrainingskollegen bereits in der ersten Runde beeindrucken will. Er hat schon auf den ersten Metern einen derartigen Grip, dass es kracht. Allerdings geht das natürlich nicht lange gut. Immerhin hat er bei mir am Nürburgring auf der GP-Strecke ca. 2 Stunden gehalten ohne zu schmieren. Die Flanken waren danach allerdings hin. Trotzdem war es die Erfahrung wert, beim nächsten mal darf's aber hinten wieder der SC 2 sein, der reicht vom Grip her allemal und hält im Verhältnis zum SC 1 ewig.

Bridgestone BT 001:

Der Bridgestone BT 001 ist für die Rennstrecke ebenfalls zu empfehlen. Absolut neutral im Einlenken, nur sehr geringe Aufstellneigung beim Bremsen und um einiges handlicher als der Pilot Race. Dazu gibt's mindestens den gleichen Grip wie beim Michelin und einen deutlich gleichmäßigeren Verschleiß. Bei Bridgestone gibt es hierzu leider keine Infos. Der Reifen ist offenbar Lizenzfahrern vorbehalten.